Erdzeit 1990:08:01:09:00

2008:07:03 um 14:22:49 | Veröffentlicht in Erlebtes, Galabau | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , , , ,

Erster Tag. Um 05:30 in der Firma, Leute stehen vereinzelt in Grüppchen rum und quatschen. Kurz vor 06:00, der Junior kommt mit einer Tafel in die Werkstatt und hängt sie auf, alles rennt hin und guckt drauf. Ich dann auch. Nach einiger Zeit entdeck ich ein Schildchen mit meinem Namen unter zwei anderen und einem Schildchen „MB 407DK alt“. Ich dreh mich um und steh allein in der Halle, während alle anderen an den Fahrzeugen rumwuseln oder schon eingestiegen sind. Ratlos. Da kommt jemand auf mich zu und fragt mich ob ich der „Dingsbums“ sei. Als ich verneine lässt er mich wortlos stehen. Ratlos. Endlich kommt ein kurzhaariger 1,90m Typ und fragt mich ob ich ich sei. Ja. Da einsteigen.

Ich steig hinten ein und wir fahren auch schon los. Nach zwei Minuten wird mir zumindest klar was das „alt“ auf dem Schildchen bedeutet hat.

Nach etwa einer halben Stunde Fahrt nach Norden kommen wir an, fahren durch den Haupteingang am Pförtnerhäuschen vorbei in ein Rondell und halten.

Motor aus. Gott sei Dank welch himmlische Ruhe. Der Fahrer schenkt sich einen Becher Kaffee ein. Fahrer und der lange Typ unterhalten sich eine Weile, dann steigen wir aus. Raseneinsaat auf einer Fläche um das Pförtnerhäuschen die schon fast fertig gestellt ist. Der Fahrer, ein lockiger Typ Mitte Zwanzig harkt und ich darf die Steine und Erdklumpen erst in eine Schubkarre und dann in einen Container verfrachten. Um 09:00 ist Frühstückspause die ich dazu nutze die zwei Dubbels die ich dabei hab zu verdrücken. Langsam wirds warm. Dann gehts weiter und wir sind kurz vor Mittag so weit fertig.

Bergwerk Westerholt - Quelle Wikipedia

Bergwerk Westerholt - Quelle Wikipedia

Bergwerk Westerholt

Bergwerk Westerholt

Zur Mittagspause zieh ich mir eine Flasche Cola aus einem Automaten rein, zu Essen hab ich ja schlauerweise nix mehr. Dann gehts weiter über das Werksgelände über holprige Wege kreuz und quer an etlichen Hallen aus roten Ziegeln vorbei und unter zig verschieden großen teilweise dampfenden Rohrleitungen durch und dann irgendwelche geschotterten Serpentinen hinauf auf eine Bergehalde. Achtung Linksverkehr!Mitten im Nirgendwo halten wir an und steigen aus. Der Lange drückt mir einen Freischneider in die Hand und weist mich kurz ein, dazu erhalte ich noch einen Helm mit Sichtschutzvisier und daran befestigten Mickeymäusen.Dann fangen wir an etwa kniehohes Graszeugs zu mähen.Das Problem: angeblich sollen sich darin Bäume verstecken, die stehen bleiben sollen, und je nachdem wie rum man steht, ist immer ein Fuß samt Unterschenkel überflüssig weil die Halde halt ca 40-50% Steigung hat.Das Visier versperrt mir ziemlich die Sicht und ich kann keine Bäume entdecken und komm mir schon verarscht vor. Dann auf einmal seh ich sie, jedesmal unmittelbar nachdem ich sie umgenietet habe.Am ersten Tag anteilig ca. 100m2 Rasen gesät und ca. 50 Stck Heister gefällt, das das eine ausgeglichene Ökobilanz ergibt darf bezweifelt werden. Und das von Jemandem der Gärtner werden will. Aber das Meiste von dem Kroppzeug hat noch Glück, ich bin etwa 10 mal so langsam wie meine Kollegen seh ich später, sonst hätt ich die 500 bestimmt auch noch geschafft.Plötzlich seh ich wie etwas angeflogen kommt und gegen das Visier knallt, genau auf Nasenhöhe. Vespula germanica. Keine 20cm von meinen Augen entfernt sitzt das Vieh und ich seh ein, dass das verdammte Visier doch sehr nützlich ist. Haha, lach ich das zornige Insekt aus, während es erst auf dem Visier außen im Kreis läuft und dann kopfüber nach unten. Ich lach nicht mehr und starr auf das winzige Tierchen wie das Kaninchen auf die Schlange.Das Miststück krabbelt weiter bis zum unteren Rand des Visiers der sich ungefähr auf Kehlkopfhöhe befindet und hält an. Flieg! denk ich, aber das Tier macht schwerkrafttrotzend eine Halse und beginnt wieder nach oben zu krabbeln. Allerdings diesmal auf der Innenseite. In Panik streif ich den Helm mit der linken Hand ab, so dass er zu Boden fällt um sogleich von dem rotierenden Messer des Freischneiders erfasst zu werden, welches dann schwungvoll den Gehörschutz abtrennt. Jetzt war nicht nur die Ökobilanz im Eimer, sondern die betriebswirtschaftliche noch dazu. Ein erster Arbeitstag wie aus dem Bilderbuch. Hätte ich das Zeichen erkannt, hätte ich mir sofort was Anständiges zum Erlernen gesucht, hab ich aber nicht.

Bergehalde Zeche Ewald

Bergehalde Zeche Ewald

Glück auf!

Advertisements

Schreibe einen Kommentar »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.

%d Bloggern gefällt das: