Komplett! – oder: Naher Osten Teil 02

2008:07:08 um 17:56:24 | Veröffentlicht in Erlebtes, Galabau | Hinterlasse einen Kommentar
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Fortsetzung von Teil 01

Gegen 11:00 kommen wir endlich an der Baustelle an. Hier entsteht das Druckzentrum für die Ostthüringer Zeitung (OTZ) eine Tochter der WAZ. Eine große neu errichtete Industriehalle quasi mitten auf dem Acker und ringsrum fast nur Schlamm. Wir haben mehrere Wohncontainer in einem Containerdorf auf einer notdürftig geschotterten Fläche. G.D. hat einen für sich alleine, T.R. und ich teilen uns einen direkt nebenan. Die Dinger sind ziemlich neu und von innen und außen sauber was mich schonmal etwas beruhigt. Zeit haben wir keine, bloß Taschen rein und dann ab eine Böschung runter zur Halle die etwa 3 bis 4m tiefer liegt als das Containerdorf. Dann seh’ ich, dass es eigentlich drei Hallen sind, zwei flachere jeweils außen und in der Mitte eine höhere. Deren Vorderfront besteht fast einzig und allein aus einem riesigen Aluminiumrolltor das eine massive Beule hat. Das Ding ist mehr als zwei Stockwerke hoch und der obere Teil sieht aus, als wäre ein kleines Propellerflugzeug reingeflogen, was ähnlich wie in dem einen James Bond Film auch gepasst hätte, bloß war das Tor wohl dummerweise zu. „Was ist denn da passiert?“ frag ich. „Das gab letztens etwas Sturm und da hat der Wind genau draufgedrückt und es hat irgendwie nicht ganz gehalten.“ sagt G.D. „Das witzige ist, in Erfurt bauen sie gerade eine baugleiche Halle und da sollte auch so ein Tor rein, das haben sie dann gleich abbestellt, kostet ja auch bloß um die 50.000.“ Wir gehen in die letzte Halle durch eine ca 8m breite Einfahrt und stehen auf einer geschotterten Fläche auf der ich einen unseren Radlader entdecke. G.D. fragt einen Typen um die 50 Jahre im Blaumann wie weit er sei und ob sie klar kämen? Etwas weiter steht noch so eine Gestalt und ich erfahre, dass das 2 Thüringer sind die für uns arbeiten. Wie sich rausstellt haben die beiden den Schotter wohl etwas zu hoch eingebaut aber schon verdichtet. S.B. ein Westkollege der auch eben erst mit dem eigenen Wagen gekommen ist, sitzt im Radlader und versucht mühsam vom Schotter etwas abzuziehen. Der eine Blaumann kommt auf mich zu und meint auf einmal, es sei sehr schwer, von dem verdichtetem Schotter wieder etwas abzuziehen. Aha, ich frag mich bloß wieso er überhaupt verdichtet ist, wenn er doch zu hoch ist, sieht ja wohl auch ein Blinder. Ich frage nach einer Schaufel und der Blaumann namens Roland meint, oben im Werkzeugcontainer seien noch welche. Ich frag’ wieviele sie denn hier unten hätten? Na eine. Kein Kommentar. Ich bitte ihn: „Hol doch mal ein paar, ich hab schließlich keine Ahnung wo das ist,“ und er fragt wieviele. Ich sage: „Immer eine Schaufel mehr als Leute da sind“ und er sagt „Sehr witzig.“ „Nein, kein Witz, immer eine Schaufel mehr als Leute.“ „Soll ich jetzt gleich welche holen oder nach dem Mittag??“ fragt er. Von mir aus heute abend denk ich, ich steck dann solange meine Hände in die Taschen und schau den anderen beim arbeiten zu. „Jetzt,“ sag ich „wäre nett, “ sonst könnt ich ja schließlich nicht mitarbeiten. Fängt ja gut an alles.

Irgendwann ist dann Mittag, und es heißt, wir fahren mit dem Auto in eine Kantine. Gut, denk ich und steig ein, die Fahrt geht keine Minute die Kantine ist direkt die Straße hoch etwa 800m Luftlinie. Ich steig aus und seh’ eine Art Wintergarten mit großen Fenstern fast bis zum Boden und darin jede Menge Tische. Der Eingang ist an der Seite und als ich da ankomme hab’ trifft mich fast der Schlag. Hinter dem Wintergarten ist ein größeres Gebäude und an dessen Wand steht etwas abgeblättert aber noch schön deutlich zu lesen: WISMUT Ich ruf’: „Was? Wismut? Seid ihr verrückt? Hier bleib’ ich nicht, ich will sofort zurück.“ „Wieso,“ meint G.D. „kennst du das? Woher?“ Ich schau ihn entgeistert an, „Sag mal, hast du ne Macke? Das ist der Uranbergbau für die Russen, das ist wahrscheinlich die übelste Gegend diesseits des Urals, sowas weiß man doch.“ „Ja,“ sagt er, „das haben sie mir auch erzählt, die 2 Titten die da in der Gegend rumliegen, da soll radioaktives Material drin sein, aber nur ganz schwaches, das wird demnächst wieder unter Tage verfüllt.“ „Toll,“ sag ich, „dir kann man auch alles erzählen, hier im Umkreis dürfte wohl alles giftig, verseucht und verstrahlt sein, hier fass ich nix mehr an.“ Nein alles halb so wild, das wäre hier bloß ganz am Rand, der eigentliche Abbau war ganz woanders. „Komm erst mal rein in Ruhe was essen.“ Ich geh ihm ein paar Schritte nach durch einen kurzen Flur der als Windschutz dient, an dessen Wand steht ein Tisch mit einer angebrochenen Packung Würfelzucker und 2 Dosen Kondensmilch. An der Wand hängt ein DIN A4 Zettel auf dem steht: Kaffe -,50| Kaffee weiß -;60| Kaffee mit Zucker -,60| Kaffee komplett 0,70|. Ahja, sowas hab ich ja in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Ich hab jedenfalls den Kaffee vorerst auf, und zwar ebenfalls komplett.

Glück auf!
Fortsetzung Teil 03

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